Ich stehe müde im Bäcker und bestelle einen belegtes Baguette. Normalerweise würde ich dabei lächeln und in einem viel zu hohen Tonfall reden. Und normalerweise würde ich freundlich "Danke" ausrufen, wenn die Verkäuferin die Brötchentüte auf den Tisch legt. Heute nicht. Heute habe ich keine Lust dazu. Weil ich schlechte Laune habe. Weil mein Kopf schmerzt. Und wegen ihres selbstgefälligen Grinsen. "2,90 €", sagt sie überspitzt freundlich, während ich 3 Euro auf den Tresen lege. Ich greife nach der Brötchentüte und gehe ohne auf mein Rückgeld zu warten. Die 10 Cent sind mir egal. Auch 10 Euro wären egal. Es ist einer dieser Tage, an denen alles egal ist.
Die Verkäuferin ruft hinter mir her und ich laufe weiter. Ich werde immer schneller, aber ich renne nicht. Ich bleibe ganz ruhig und werde noch ruhiger, als ich merke, dass ich am Fluss angekommen bin. Ganz allein laufe ich dort am Ufer entlang. Die Menschen sind in der Stadt zurückgeblieben. Und dort dürfen sie gern bleiben. Ich gebe nur ungern etwas vom frischen Wind ab, der hier am Fluss weht. Ich sehe nur ungern Fußstapfen von Fremden. Ich teile nur ungern die Einsamkeit, nach der die Luft hier schmeckt. Teilen tue ich ohnehin ungern. Außer mein Essen. In dem Moment schaue ich auf meine Brötchentüte und schmeiße sie in den nächsten Mülleimer. Dann laufe ich weiter, eine Bank suchend. Ich werde schnell fündig und setze mich. Nur kurz sitze ich da, bis ich merke, dass es anfängt. Das, was hier immer passiert. Ich seufze und spüre die erste Träne. Sie läuft an meiner Nase entlang, bis hin zu meinem Mund. Ich wische sie weg und das ist der Startschuss für die restlichen Tränen.

Meine Name ist May. Ich bin 16 Jahre alt. Ich sitze auf einer Bank. An einem Fluss. Ich bin allein und ich weine. Ich weine ruhig. Ich weine ohne Grund. Ich habe aufgegeben, die Tränen wegzuwischen. Denn es wird nicht aufhören, wenn ich es will. Irgendwann wird es von ganz allein aufhören. Einfach so. Dann werde ich aufstehen und weitergehen. Alles wird weitergehen. Einfach so. 

Kommentare:

  1. du schreibst so unendlich schön... ich wünsche dir ganz viel kraft. ♥

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  2. wow. ich bin wie immer beeindruckt und wie immer muss ich dir das sofort sagen. ich kenne das. ich kenne das alles, diese egal-einstellung und das immerweiterlaufen, weil einen die füße einfach tragen. und ich kenne das sich hinsetzen und sich einsam und allein fühlen.
    was ich nicht kenne, sind tränen. sie kommen nicht mehr.
    aber ich kenne das wieder weiterlaufen.
    einfach weiter.
    May, ich wünsche dir alle Kraft für dein Leben und diese Momente.
    Und ich möchte, dass du weißt, du bist nicht allein mit dem Alleinsein.
    Bitte, vergiss das nicht.
    Und versuch bitte, jetzt einmal zu lächeln.
    Danke.
    Danke für deine Worte, sie geben mir selbst dann viel, wenn sie nicht an mich gerichtet sind.
    Lina♥

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  3. klingt abgedroschen und vielleicht auch dumm, doch im Herzen bist du nie allein. Solang an dich gedacht wird, solang du geliebt wirst, bist du niemals ganz allein. Und das wirst du. Versprochen

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  4. Teilen tue ich ohnehin ungern. Außer mein Essen.

    Da musste ich schmunzeln :)

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  5. toller blog ♥ gefällt mir sehr !
    schau doch gerne auch mal bei mir vorbei :*

    http://laura-liveloveparty.blogspot.de/

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Man is least himself when he talks in his own person. Give him a mask, and he will tell you the truth.